
Meinen Auslandsaufenthalt habe ich in der Benediktinerabtei „Kylemore Abbey“ in Connemara, Irland, verbracht. Dort leben ca. 15 Schwestern permanent, während andere nur für einen temporären Aufenthalt aus anderen Ländern kommen und dort ein paar Wochen verbringen. Kylemore Abbey ist viel mehr als „nur“ eine Benediktiner-Abtei. Auf dem Grundstück befinden sich außer der Abtei noch ein altes Schloss, welches die Schwestern 1920 gekauft haben, eine kleine Kirche, ein Restaurant, zwei Cafés, ein wunderschöner Garten, der zwei Kilometer vom Schloss entfernt ist, einen Souvenirshop und eine Schokoladenküche, wo eigene Schokolade hergestellt wird.
Meine Reise begann am Montag, dem 03.03., als ich vom BER nach Dublin geflogen bin. Ich bin nicht zum ersten Mal alleine geflogen, aber ich war dennoch ziemlich nervös. Trotzdem habe ich den Flug überstanden und mich dann mit Sr. Jeanne am Flughafen getroffen. Zusammen haben wir uns vom Flughafen auf den Weg nach Kylemore Abbey gemacht. Während der Fahrt hat mir Sr. Jeanne einiges über Kylemore Abbey, meine Aufgabe und über die Schwestern erzählt. Wir sind dann um kurz nach 18:00 Uhr in Kylemore angekommen, wo mir dann mein Zimmer in einem Gasthaus gezeigt wurde, in welchem ich für die 3 Wochen auch alleine gelebt habe. Danach hatte ich erstmal die Chance richtig anzukommen, auszupacken und mich auszuruhen.

Während meines Aufenthaltes habe ich jeden Vormittag unter der Woche in der Schokoladenküche verbracht, wo ich von 09:00 – 12:00 Uhr verschiedene Schokoladen einpacken durfte, die dann im Souvenirshop verkauft werden. Es war zwar ziemlich repetitiv, aber es hat mir sehr viel Spaß gemacht, vor allem, weil ich nie alleine war. Ich habe zusammen mit einer anderen Schwester aus Indien zusammengearbeitet, mit welcher ich mich auf Anhieb gut verstanden habe. Veronica, die Konditorin, von der die Schokoladenküche geleitet wird, hat jeden Tag für die Schwester und mich Tee zubereitet und uns etwas Schokolade zum Naschen dazugegeben, was uns die Arbeit - die auch, wenn sie Spaß gemacht hat - anstrengend war, noch ein bisschen versüßt hat. Nach meiner Arbeit in der Schokoladenküche folgte immer der Gottesdienst um 12:15 Uhr, zusammen mit den Schwestern und anderen Touristen, die für den Tag da waren. Anschließend gab es ein gemeinsames Mittagessen, welches von den Schwestern selbst gekocht wurde. Was mich sehr überrascht hatte, war, dass sehr oft das Mittagessen in kompletter Stille ausgeführt wurde, während eine Schwester etwas aus einem Buch laut vorlas, und nur an besonderen Tagen konnten wir währenddessen reden. Ich habe es sehr genossen, in Ruhe Mittag zu essen und nur zuzuhören, was vorgelesen wird, so dass ich an den Tagen, an denen wir reden durften, fast enttäuscht war.

Nachmittags hatte ich bis zur Vesper um 18:00 Uhr immer frei, was mir in den ersten paar Tagen die Möglichkeit gab, das gesamte Gelände zu erkunden. Trotz des regnerischen Wetters in den ersten Tagen habe ich mir also Zeit gelassen und die wunderschöne Umgebung angeschaut. Nach diesem Zeitplan habe ich die Tage gelebt, und dank meiner Freizeit habe ich mich ganz schnell mit den anderen Mitarbeitern angefreundet. Wenn ich nicht gearbeitet habe, war ich entweder am See oder im Souvenirshop, und habe dort zu viele Stunden in Gesprächen vertieft mit den Mitarbeitern verbracht. In der letzten Woche hatte ich dank der Schwestern die Möglichkeit, in andere Städte in der Nähe von Kylemore zu fahren. Am St. Patricks Day war ich in Clifden und habe mir dort die Parade angeschaut, ein paar Tage darauf war ich in Westport, einer kleinen Stadt mit wunderschönen Denkmälern. Es hat mich sehr erfreut, dass ich daraufhin auch noch am Donnerstag vor meiner Abreise einen Tag in Galway verbringen durfte. Galway hat mich mit seiner lebendigen Atmosphäre und den charmanten, bunten Häusern sofort begeistert – überall im Latin Square spielte Straßenmusik, während Leute stehen blieben, mitwippten oder einfach den Tag in den gemütlichen Pubs und Cafés genossen.
In den Tagen vor meiner Abreise kamen noch zwei andere Freiwillige nach Kylemore, Faye aus Schweden und Emmanuelle aus Frankreich, deren Ziel es war, den Schwestern zu helfen und dort zu arbeiten. Am Anfang war es nicht so einfach, sich mit Emmanuelle zu verständigen, allerdings war sie da, um ihr Englisch zu verbessern - und wir hatten es dann mit Google - Übersetzer irgendwann raus. Zusammen haben wir die Tage dann im Café von Kylemore oder auf der Farm, die den Schwestern gehört, verbracht.

Mein Auslandsaufenthalt in Irland war eine wirklich einmalige Erfahrung, die mich persönlich bereichert hat. Ich bin noch nie zuvor alleine verreist, daher war ich etwas nervös, aber diese 3 Wochen haben mir geholfen, selbstständiger zu sein. Es hat mich sehr beeindruckt wie freundlich die Iren sind, immer bereit und offen für ein Gespräch, eine Eigenschaft, die ich in Deutschland sehr vermissen werde. Ich bin unglaublich dankbar für meine Zeit in Irland, ich habe sehr viel mitgenommen und werde meine Erinnerungen und die Freundschaften, die ich dort geschlossen habe, für immer wertschätzen.